Ein Relaunch verspricht oft mehr, als er am Ende liefert. Nicht, weil das neue Design nicht funktioniert — sondern weil wichtige Schritte vor und nach dem Go-Live übersprungen wurden. In über 100 Projekten haben wir eine Reihenfolge gefunden, die zuverlässig gute Ergebnisse bringt. Diese 12 Schritte sind der Leitfaden, den wir intern nutzen — und den Sie bei jedem Relaunch als Kontroll­liste verwenden können.

Vor dem Relaunch: Bestandsaufnahme

1. Rankings und Traffic dokumentieren

Bevor auch nur ein Wireframe gezeichnet wird, brauchen wir Zahlen. Exportieren Sie die Top-50-Keywords aus der Google Search Console, die Top-30-Seiten nach organischem Traffic und die Konversions­raten der wichtigsten Formulare. Diese Daten sind Ihre Referenz — ohne sie wissen Sie nach dem Launch nicht, ob etwas besser oder schlechter geworden ist.

2. URL-Inventar erstellen

Crawlen Sie die bestehende Seite (Screaming Frog, Sitebulb oder auch die XML-Sitemap als Basis). Das Ergebnis ist eine vollständige Liste aller URLs mit Title, Meta-Description, H1 und Status-Code. Diese Liste wird später zur Weiterleitungs­karte — der wichtigste SEO-Schritt beim Relaunch.

3. Content-Audit

Nicht jeder alte Beitrag verdient einen Platz in der neuen Seite. Wir bewerten jeden Inhalt auf drei Dimensionen: Traffic, Qualität, strategische Relevanz. Was dreimal negativ ist, wird gelöscht (mit 410-Status). Was einmal stark ist, wird überarbeitet.

Ein Relaunch ohne Content-Audit ist ein teurer Tapetenwechsel. Die Struktur bleibt alt, nur die Farbe ist neu.

Konzept & Design

4. Ziele und Kernnutzer definieren

Wen wollen wir erreichen — und wovon wollen wir mehr? Mehr Erstgespräche? Mehr qualifizierte Anfragen aus einer bestimmten Branche? Mehr Bewerbungen? Jede Seite, die danach gestaltet wird, muss sich dieser Frage unterordnen.

5. Informations­architektur vor Design

Wir zeichnen die neue Seitenstruktur als Baum, bevor wir eine einzige Pixel-Entscheidung treffen. Welche Haupt­navigation, welche Unterseiten, welche Landingpages? Diese Struktur wird mit dem Kunden validiert — sie ist die teuerste Änderung, die man später machen kann.

Wireframe-Skizzen auf Papier mit Stift
Analoge Skizzen vor dem ersten Pixel: Struktur klären, bevor Gestaltung beginnt.

6. Moodboard und Stil­richtung freigeben

Bevor wir ein komplettes Design bauen, zeigen wir zwei bis drei Stil­richtungen als Moodboard. Der Kunde entscheidet, welche Richtung weiter­verfolgt wird. Das spart im Schnitt zwei Feedback-Schleifen.

Umsetzung

7. Mobile-first bauen, nicht „auch für mobil"

Über 70 % aller Zugriffe auf KMU-Webseiten im Rhein-Main-Gebiet kommen von Smartphones. Wir designen die mobile Variante zuerst, nicht als Nachgedanke. Das zwingt zu klareren Entscheidungen — und führt fast immer zu einer besseren Desktop-Version.

8. Performance-Budget festlegen

Jede Seite bekommt ein Gewichts-Limit. Unsere Richt­werte: Startseite unter 1,2 MB, Unterseiten unter 800 KB, LCP unter 2,0 Sekunden. Alles, was darüber liegt, muss verteidigt werden — sonst fliegt es raus.

Vor dem Go-Live

9. Die Weiterleitungs­karte

Das ist der Schritt, der am häufigsten schiefgeht. Jede alte URL, die Traffic oder Rankings hatte, braucht eine 301-Weiterleitung zur inhaltlich passenden neuen URL. Nicht auf die Startseite — auf die richtige Seite. Die Weiterleitungs­karte wird vor dem Go-Live vom SEO-Verantwortlichen durchgegangen.

  • Alle Top-50-URLs aus der Search Console haben eine 301-Ziel-URL
  • Alte Medien-URLs (Bilder, PDFs) weiter­geleitet oder beibehalten
  • Keine Weiterleitungs­ketten (max. ein Hop)
  • Trailing Slashes und Groß-/Klein­schreibung konsistent

10. Technisches QA-Protokoll

Wir fahren eine feste Checkliste vor dem Go-Live: Formulare testen (inkl. Spam-Schutz), SSL-Zertifikat, robots.txt, XML-Sitemap, Schema.org-Markup, Open-Graph-Bilder, Datenschutz­erklärung aktualisiert, Impressum korrekt, Cookie-Banner live, 404-Seite gestaltet.

Nach dem Go-Live

11. Die ersten 48 Stunden

Direkt nach Livegang: neue Sitemap in der Search Console einreichen, eine Live-Crawlprobe ziehen, Ranking-Monitoring aktivieren. In den ersten 48 Stunden wird engmaschig geprüft — Fehler, die man jetzt findet, kosten noch nichts.

12. Die 30-Tage-Nachbetreuung

Jeder Relaunch hat eine eingebaute Nachbetreuung. Wir schauen 30 Tage nach Livegang auf Ranking-Entwicklung, Konversions­raten und Nutzer­signale. Was abweicht, wird angepasst — nicht erst, wenn der Kunde anruft.

Fazit

Ein Relaunch ist ein Projekt mit vielen beweglichen Teilen. Der Unterschied zwischen einem Relaunch, der Leads bringt, und einem, der Rankings verliert, liegt fast nie im Design — sondern in der Disziplin der Vor- und Nach­bereitung. Diese 12 Schritte sind keine Theorie, sondern die Reihenfolge, die sich in unserer Praxis bewährt hat.

Sie planen einen Relaunch und suchen einen Partner, der die 12 Schritte für Sie übernimmt? Schreiben Sie uns — 30 Minuten Erst­gespräch sind kostenlos.