MIT-Forscher Constantinos Daskalakis und Gabriele Farina haben im April 2026 auf der ICLR prasentiert, was Marketing-Praktiker seit Jahren beobachten, ohne es formal begrunden zu konnen: Zwei-Wege-Vergleiche - also die klassische A-oder-B-Entscheidung - liefern systematisch unvollstandige Informationen uber das, was Menschen wirklich bevorzugen. Die mathematische Schranke ist klar bewiesen: Paarvergleiche konnen keine Korrelationen zwischen Praferenzen abbilden. Erst wenn jemand aus drei Optionen eine Rangfolge bildet, werden diese Zusammenhange sichtbar.

Fur Unternehmenswebsites ist das direkt anwendbar - an zwei konkreten Stellen.

Was das Experiment gezeigt hat

Das Forschungsprojekt arbeitet mit sogenannten Random Utility Models (RUMs), einem Rahmenwerk aus den 1920er Jahren, das bis heute genutzt wird, um menschliche Entscheidungen vorherzusagen. Das Problem mit dem bisherigen Ansatz: Wenn Nutzer nur zwischen A und B wahlen, erfahren Sie eine Praferenz, aber keine Struktur dahinter. Jemand, der ein Basispaket kauft, konnte das aus funf verschiedenen Grunden tun - Preis, Laufzeit, Funktionsumfang, Vertrauen, Unsicherheit. Der Paarvergleich kann diese Grunde nicht unterscheiden, weil er keine Korrelationsdaten erzeugt.

"It is impossible to get information about correlations from two-way comparisons alone."

Constantinos Daskalakis, MIT - ICLR, April 2026

Sobald Gruppen aus drei Alternativen eine Rangfolge bilden, werden diese Korrelationen messbar, ohne exponentiell mehr Daten zu brauchen. Das Team hat auch bewiesen, dass eine Kombination aus Dreier- und Zweiervergleichen funktioniert - man muss nicht komplett auf Paare verzichten, sondern nur auf ausschliessliche Paarvergleiche.

Preistabellen: Der direkteste Anwendungsfall

Viele KMU-Websites zeigen zwei Pakete. Basis und Pro, Standard und Premium, Einsteiger und Vollpaket. Das fuhlte sich lange sinnvoll an: weniger Auswahl, klarere Entscheidung. Das MIT-Ergebnis spricht dagegen - nicht asthetisch, sondern informationstheoretisch. Zwei Optionen offenbaren keine Praferenzstruktur; Ihre Kunden signalisieren nur "mehr" oder "weniger", nicht warum.

Drei Pakete andern das: Wenn 65 Prozent Ihrer Kunden das mittlere Paket wahlen, wissen Sie, dass Ihr Preisanker funktioniert und welche Leistungstiefe Ihr Markt erwartet. Wenn 50 Prozent das gunstigste wahlen, ist das ein Signal fur eine Paketanpassung - oder fur ein gezieltes Erstgesprach. Ein mittleres Paket als "Empfehlung" zu markieren erhoht statistisch dessen Wahl, weil extreme Optionen weniger attraktiv wirken; das beschreibt die Verhaltensokonomik seit den 1990ern, und die MIT-Studie gibt dem jetzt eine formale Grundlage.

Praktisch heisst das: Drei Tiers, klare Leistungsunterschiede zwischen ihnen, mittlere Option visuell hervorgehoben. Nicht mehr. Vier Pakete erzeugen Entscheidungsaufwand; zwei liefern zu wenig Information.

Kontaktformulare: Weniger beachtet, gleiche Logik

Ein offenes Textfeld "Wie konnen wir Ihnen helfen?" erzeugt Freitext, der schwer auszuwerten ist. Zwei vorgegebene Anliegen-Kategorien laufen in dieselbe Falle wie zwei Pakete. Drei Kategorien - etwa "Neue Website erstellen", "Bestehende Website verbessern", "SEO und Sichtbarkeit" - geben Ihnen Einblick in Ihre tatsachliche Nachfragestruktur, ohne dass Sie danach fragen mussen. Welche Kategorie Besucher am haufigsten anklicken, sagt mehr uber Ihr Kundensegment als Analytics-Daten alleine, weil es eine aktive Selbsteinordnung ist.

Der Nebeneffekt: Formulare mit drei Auswahloptionen vor dem Freitextfeld haben in unserer Praxis hohere Abschlussraten als offene Formulare, weil Besucher weniger mit einem leeren Feld konfrontiert werden.

Was das fur A/B-Tests bedeutet - und was nicht

Die MIT-Studie lasst sich nicht direkt auf Conversion-Tests kleiner Websites ubertragen. Praferenzkorrelationen werden bei grossen Gruppen messbar; fur eine Website mit 1.000 Besuchern im Monat sind drei Varianten kaum statistisch auswertbar. Was die Studie nahelegt: Wenn Sie testen, beginnt der Erkenntnisgewinn nicht bei zwei Varianten. Fur Seiten mit mehr als 10.000 Besuchern pro Monat lohnt ein dritter Variant, weil er eine andere Klasse von Information liefert als der reine Leistungsvergleich zwischen A und B.

Fur die meisten KMU-Websites ist qualitative Nutzerforschung effizienter als ein dritter Test-Variant. Drei gut formulierte Pakete und drei Formular-Kategorien lassen sich ohne Traffic-Schwellenwert sofort umsetzen.

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Seit 2008 entwickeln wir Websites fur Kanzleien, Arztpraxen und mittelstandische Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Paketstrukturen und Formular-Design sind zwei der Stellen, an denen kleine Anderungen den grossten Unterschied bei Anfragen machen.

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